11.07.2012

Von Urin, Fanta, dem Titanic-Magazin und dem Papst: Gerichtliche Fleckenkunde?

Predigt zum 15. Sonntag B (15.7.): heute am Abend!

Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe: Der Vati-
kan hat über eine Rechtsan-
waltskanzlei dafür gesorgt, dass gegen das Satire-Magazin "Titanic" wegen Verletzung von Persönlich-
keitsrechten des Papstes vorgegangen wird. Nun hat im ersten Schritt das Landgericht Hamburg eine Einstweilige Verfügung erlassen, nach der das Titelbild und die Rückseite der neuesten Ausgabe jener Zeitschrift nicht mehr weiter verbreitet werden dürfen.
Das auflagenmäßig eher unbedeutende Magazin (noch nicht mal unter den ersten 100 der deutschen Zeitschriften) zeigte Papst Benedikt mit einem Urinfleck auf der Soutane, und passend auf der Heft-Rückseite mit einem großen braunen Fleck hinten auf seinem Gewand, mit dem Titel: "Halleluja
im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!"
Nun will sich das Blättchen damit herausreden, man habe gar nicht Urin bei der Foto-Montage abgebildet, sondern der Papst trinke doch so gerne Fanta, und davon habe er ein Glas ver-
schüttet. Die geforderte Unterlassungsverpflichtung will man seitens der Redaktion nicht unterschreiben, und damit wird es wohl nach der Einstweiligen Verfügung, die ohnehin nicht korrekt beachtet wird (siehe Links), im zweiten Akt zu einem gerichtlichen Verbotsverfahren zur aktuellen Titanic-Ausgabe kommen.
Die Reaktionen sind wie üblich bunt gemischt. Manche finden's einfach nur lustig und meinen, damit sei das Magazin nicht zu weit gegangen (laut Tagesschau-Umfrage z.Z. ca.
70 %), andere empören sich darüber, dass der Papst derart
in den Schmutz gezogen wird.
Und wieder andere schmunzeln nur - so schreibt z.B. das "lawblog", das Magazin "gäbe es ... schon gar nicht mehr, käme nicht alle Nase lang ein Prominenter, der seine Persön-
lichkeitsrechte mit Füßen getreten sieht"
. Mit anderen Worten: Beim Satire-Magazin reibt man sich gerade die Hände, weil man durch diese PR-Aktion die Auflage sprunghaft steigern kann.
Ich gestehe, dass ich selbst auch hin- und hergerissen bin. Einerseits sollte man sich nicht alles an Frechheit bieten lassen, andererseits ist immer im konkreten Fall abzuwägen, was man mit welchen Gegenaktionen auslöst. Rechtzeitig zum Themen-Sommerloch in den Medien kam jetzt der Gegen-
angriff aus dem Vatikan.Und mit dem begibt man sich dem-
nächst auch noch in die Hände eines Gerichtes, das ent-
scheiden wird, ob es sich hier um schützenswerte Kunst handelt oder nicht...

Ob der neue amerikanische Medienberater des Vatikans diesmal wirklich klug beraten hat...?
Presse: "Papst stoppt Pipi-Spaß"  >> BITTE KLICKEN !
Das beanstandete Titel-Foto  >> BITTE KLICKEN !
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.
Nicht zum ersten Mal unterste Schublade… (lauter stellen)




Kommentare:

  1. Helmut Schneider11.07.2012 07:42:00

    Ich kann zwar nachvollziehen, dass der Predigtgärtner hier zögerlich ist, aber meiner Meinung nach sollte die Kirche mutig Position beziehen, sei es gelegen oder ungelegen.
    Der Kopf bleibt ja dran.
    Also: Dem Zeitgeist die Stirn zeigen!
    Schön wäre es auch, wenn der Papst von deutschen Gläubigen Unterstützung bekäme, z.B. durch Beschwerden beim Presserat.
    Oder ist das zuviel verlangt?

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  2. Der Thuriferar11.07.2012 09:10:00

    Ein beeindruckendes Zeichen des Glaubens und der Solidarität, wie die vielen deutschen Bischöfe dem Papst in Erklärungen beistehen... (grins)
    Immerhin geht es um eine deutsche Zeitschrift.

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  3. Ja, ja, immer die anderen!
    Wenn ich das richtig sehe, haben sich die katholischen Blogger in Deutschland auch nicht mit Solidaritätsaktionen überschlagen, oder?

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  4. Berechtigte Kritik ist immer hilfreich.
    Was die Blogger betrifft, so haben meines Wissens ein halbes Dutzend zum Thema Stellung bezogen.
    In der Vergangenheit haben die meisten ihre Papsttreue schon bewiesen, auch mit einigen gemeinsamen Aktionen.
    Ob das in diesem speziellen Falle nötige ist, kann ich nicht beurteilen.

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  5. Christian Fischer11.07.2012 13:31:00

    Die Titanic ist bekanntlich untergegangen...

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  6. Auf vielen katholischen Seiten wird voreilig frohlockt: Vatikan siegt über Titanic... oder so ähnlich.
    Warten wir's ab. Vor deutschen Gerichten haben wir schon so allerlei erlebt. Man denke z.B. nur daran, dass man nach wie vor die katholische Kirche ganz ungestraft "Kinderfickersekte" nennen darf, wie ein Gericht entschieden hat.
    Also: Wer die erste Schlacht gewonnen hat, der hat noch längst nicht den Krieg gewonnen!

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